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Stern-Warte: Ein Blick auf die Erde 12.50EUR

Autor: Patricia Hold

Broschure
120 Seiten
pro literatur Verlag
Erscheinungsdatum: 01/2009

Klappentext/Kurzbeschreibung:
Waren Sie schon einmal in einer Sternwarte? Oder im Planetarium? Hat Sie der Blick in die große Weite fasziniert? Was wäre, wenn die Sterne den Blick erwidern würden? Wie sähen wir aus? Was für eine Art Spiegel wären sie und was gäbe es in diesem Spiegel zu sehen?

Patricia Hold hat sich diesen Spiegel näher angesehen. Viele Facetten hat sie darin entdeckt, von der anderen Seite aus. Unsere Tage erscheinen darin in einem ganz anderen Licht.

Leseprobe:

Du hast gesagt, dass du schon lange dem Treiben der Menschen zusiehst, zusammen mit deinen Kollegen in der Milchstraße. Und du hast auch gesagt, dass du uns recht unvernünftig empfindest. Was ist dir denn so bemerkenswert vorgekommen?“ fragte ich. „Hast du für heute noch ein Beispiel?“

 

Die Herrin der Milchstraße hatte gleich eine Antwort für mich parat. „Ihr habt große Städte. Von hier oben kann ich die Häuser gut sehen. Ich kann sogar in die Zimmer hinein sehen. Es sind viele Zimmer, doch es wohnen in deiner Gegend nicht viele Menschen darin. Wenn es dunkel wird, sitzen sie alle vor Kästen, die machen Bilder. Unschöne Bilder, die zittern und nicht stille halten.“

 

„Ach, du meinst Fernseher oder Computer“, warf ich ein.

 

Die Herrin der Milchstraße sprach unberührt weiter: „Vor jedem sol­chen Kasten sitzt ein einzelner Mensch, oder höchstens zwei“, fuhr sie fort. Sie starren den ganzen Abend in diese Kästen, wie es scheint. Dabei haben sie neben sich eine Flasche stehen, oder sie essen. Manche telefonieren auch, während sie in den Bilderkasten starren.“ Man merkte der Herrin der Milchstraße an, dass ihr das ver­rückt vorkam.

 

„Es gibt aber auch Häuser, da ist es richtig voll. Da scheinen sich die Menschen zu quetschen, damit alle hinein passen. Auch bei ihnen scheint es ohne Trinken nicht zu gehen. Sie rauchen, tanzen, essen. Aber immerhin: Sie reden miteinander.

 

Mit dem Miteinander scheint es bei euch auf der Erde ein wenig schwierig zu sein. Es ist komisch, aber ich werde den Eindruck nicht los, dass auch die Menschen an den überfüllten Orten nichts Gemeinsames haben. Da gibt es welche, die kommen zu zweit oder zu mehreren an solchen Orten an. Wenn sie nach Hause gehen, sind sie oftmals auch zu zweit oder zu mehreren. Manche gehen mit an-deren Menschen nach Hause, als sie gekommen sind. Sie treffen diese Menschen ein, zweimal wieder, dann reißt der Kontakt ab.

 

Andere gehen so alleine nach Hause, wie sie gekommen sind. Was sie bekommen haben, ist ein Abend unter anderen Leuten, mit Getränken, vielleicht auch etwas zu essen und viel lauter Musik. Die Unterhaltung, die sie geboten bekommen, schränkt sie gleichzeitig wieder in ihrer Unterhaltung ein. Es ist so laut, dass sie nicht miteinander reden können. Es scheint ein Unterhaltungsprogramm zu sein, das festen Regeln entspricht. Es sieht überall gleich aus. Wenn du ein paar dieser Abende beobachtet hast, dann weißt du, wie die anderen aussehen werden.

 

Für manche Besucher solcher Abendprogramme ist es offensichtlich zwingend, dass sie viel Alkohol konsumieren. Wirklich zufrieden sehen sie am nächsten Tag nicht aus. Vielleicht haben sie ja Kopfschmerzen vom vielen Alkohol bekommen. Sicher macht es den Menschen auch Kopfschmerzen, dass sie nicht wirklich angeregt nach Hause zurückkehren. Alkohol ist nicht die richtige Anregung für Menschen. Untereinander kommt es auch nur zu wenigen anregen-den und dauerhaften Begegnungen. Es scheint eine Herausforderung für euch zu sein, Kontakte zu knüpfen. Offensichtlich funktio­niert es nicht richtig. Die Menschen sind immer damit beschäftigt, sich in das gerade richtige Licht zu rücken. Doch dieses Licht leuch­tet nicht wirklich. Daher kann es die Menschen auch nicht anlächeln.

 

Die anderen, die vor den flimmernden Apparaten sitzen, die wirken auch nicht so recht zufrieden und angeregt, obwohl sie sehr beschäf­tigt sind. Manche von ihnen stehen tatsächlich im Austausch mitein­ander. Nur funktioniert auch diese Kontaktmethode nicht richtig. Nur wenige ernsthafte Begegnungen kommen zustande. Alles plätschert mehr auf einer unsichtbaren Oberfläche dahin. Niemand hat den Mut, sich selbst zu zeigen. Es fehlt an Ausdauer, sich auf andere ein­zulassen. Sie haben offensichtlich alle verlernt, in eine echte gegen­seitige Beziehung zu anderen zu treten.

 

Dann gibt es welche, die beschäftigen sich ohnehin alleine, wenn sie zu Hause sind. Ihnen scheint es nicht so schlecht damit zu gehen, wie den anderen. Wirklich zufrieden wirken die wenigsten von euch. Es sieht so aus, als hätte das Band der Familie nicht mehr den stärkenden Einfluss, den es einstmals hatte. Auf der Suche nach einem unbestimmten Mehr ist die Familie eher ein Hindernis. Es gilt, sie frühzeitig zu verlassen, um einer Art von Selbstverwirklichung ent­sprechen zu können. Dadurch ist alles durcheinandergeraten. Jun­ge, Alte, Angehörige mittlerer Altersgruppen, sie alle sind im Herzen oft alleine. Es sind nicht viele, die allein leben wie du, und trotzdem so zufrieden sind, ohne sich zu verschließen und zu verhärten.“

 

Die Verständigung funktionierte gut, ausnehmend gut sogar. Ich war überrascht, wie klar ich die Herrin der Milchstraße verstehen konnte. Jeder Atemzug, jede Reaktion, jede Nuance in der Stimme kamen klar und deutlich bei mir an. Selbst bei dieser längeren Ausführung war der Ton klar und ich wurde nicht müde vom Zuhören. Doch hier riss unsere Unterhaltung des ersten Tages ab. Ich musste mich ge­dulden bis zum nächsten Tag.

 

Inständig hoffte ich, dass ich gut schlafen würde, damit ich am nächsten Abend aufnahmefähig war. Und außerdem hoffte ich natür­lich, dass es einen nächsten Abend geben werde. Einen weiteren Abend mit einer himmlischen und unglaublichen Unterhaltung.

 

Das erste Thema der Herrin der Milchstraße hatte mich bereits schon fasziniert. Natürlich wollte ich mehr davon hören. Ich selbst hatte schon meine Beobachtungen darüber angestellt und mir meine Gedanken gemacht. Immer und immer wieder hatte ich auch mit an­deren Leuten darüber geredet. Die meisten fanden das ungewöhn­lich, konnten sich aber gut darauf einlassen. Unbedingt wollte ich also wissen, wie die Herrin der Milchstraße mit dem Thema fortfah­ren würde.



Rezensionen/Presse:


DerAutor/Die Autorin:
Patricia Hold, Jahrgang 1962, ist als Kauffrau für und mit Menschen aus vielen Ländern und Kulturen tätig. Auf jedem Platz der Erde entwickeln die Menschen andere Ansichten zu diversen Lebensthemen. So entstand die Idee eines Blickes von außen auf die Erde - von sehr weit weg: von der Milchstraße aus.

 

 


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Dieses Produkt haben wir am Dienstag, 20. Januar 2009 in unseren Katalog aufgenommen.

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