Pilgerberichte über den Jakobsweg habe ich schon einige gelesen, aber diesmal war ich wirklich "dabei". Grit Ott gibt dem Lesenden durch eine offene und anschauliche Schreibweise das Gefühl, gemeinsam mit ihr zu gehen.
Gerade wer nicht zu den sportlichsten Wanderern gehört, ist bei ihr in guter Gesellschaft. Durch Diabetes und Herzprobleme ausgebremst, geht sie langsam aber stetig ihren Weg. Und Schritt für Schritt lernt man andere Wanderer kennen, deren Geschwindigkeit auch nicht gerade rekordverdächtig ist.
Besonders anrührend finde ich Viola, übergewichtig und unverzagt, die pro Tag höchstens acht Kilometer schafft. Oder Dave aus Minnesota, der zusätzlich zum Rucksack die Gitarre seines verunglückten Freundes auf dem Rücken trägt - so wie manche Pilger früher ein Kreuz.
Das Buch ist sehr informativ für Leute, die den normalen Pilger-Alltag aus nächster Nähe kennenlernen möchten: Ganz konkret vom Aufstehen bis zum Schlafengehen. Auch wenn es mit Wanzen und einem unwirtlichen Wirt am Wegesrand nicht immer lustig zugeht, habe ich Lust bekommen, selber loszuwandern. Vielleicht hält sie ja bis zum nächsten Sommer an.